AHRKREIS/NEUWIED. Die Schüler der Tischlerklasse der Berufsbildenden Schule besuchten mit ihrem Klassenlehrer, Studiendirektor Peter Graupner, das Kreismuseum Neuwied. Im Blickpunkt ihres Interesses: die wertvolle Sammlung der berühmten Neuwieder Kunst- und Kabinettstischler Abraham und David Roentgen.
"Man weiß oft gar nicht, welche Schätze sich in der näheren Umgebung erkunden lassen", meinte ein Schüler und war ebenso wie seine Klassenkameraden beeindruckt vom Lebenswerk der Familie Roentgen: Vater Abraham Roentgen (1711- 1793) übergab sein Geschäft und die Werkstatt 1772 an seinen Sohn David. Beide waren Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeinde in Neuwied. David Roentgen (1743-1807) produzierte Pult- und Rollschreibtische, Kommoden und Eckschränke, Sekretäre, Toilettentische, Sitzmöbel, Schatullen, Uhren und Musikinstrumente. Zu den Eigenheiten der Roentgenschen Möbel gehört neben den kostbaren Einlegearbeiten meist eine raffinierte technische Ausstattung mit Geheimfächern und komplizierten Mechanismen. Ein an die Zarin Katharina II. von Russland gelieferter Schreibschrank hatte sogar eine Alarmanlage: ein Spielwerk kündigte den Griff eines Unbefugten in ein Geheimfach an.
David Roentgen war der Ansicht, dass der persönliche Kontakt mit seinen erlauchten Kunden dem Verkauf seiner Waren förderlich sei. Das Geschäft blüht aber heute noch: Roentgen-Möbel werden bei Sotheby"s und Christie"s zu Höchstpreisen versteigert.