KREISSTADT. "Erschreckend. Da gibt es noch viel Aufklärungsbedarf", fasst die 17-jährige Nadja Gasper von der höheren Berufsfachschule Sozialassistenz die Ergebnisse einer Fragebogen-Aktion unter ihren Mitschülern in der Berufsbildenden Schule (BBS) in Bad Neuenahr-Ahrweiler zum Thema Aids abschließend zusammen.
So stellte sich heraus, dass über 50 Prozent der Befragten im Alter zwischen 15 und 25 Jahren zwar Angst vor Aids haben, aber 15 Prozent "manchmal" ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. 14 Prozent der weiblichen Befragten glaubten, die Pille oder die Spirale schütze vor einer Ansteckung und der Irrglaube, man könne sich durch Speichel anstecken, ist besonders bei den jungen Männern verbreitet.
"Das bringt soziale Ausgrenzung von HIV-positiven Menschen mit sich. Denn man hat Angst, mit ihnen zusammen zu leben", erläuterte Gerhard Wermler von der Aids-Hilfe Koblenz. Er war mit Thomas Dresen, der als Betroffener seit 20 Jahren mit dem Virus lebt, zu einer Info-Veranstaltung in die Schule gekommen. Schülerinnen der Abteilung "Hauswirtschaft" hatten Aids-Schleifen gebastelt und gegen eine Spende in den Klassen angeboten. Dabei verteilten sie auch Informationen zur Bedeutung und Entstehung der roten Schleife, die seit 1992 als Zeichen von Solidarität mit HIV-positiven Mitmenschen getragen wird.
Die Aktionen zum Thema Aids waren Teil einer Projektwoche der BBS-Abteilungen Hauswirtschaft-Ernährung-Gesundheit mit dem Motto "Fit und gesund in die Ausbildung". Neben dem Hauptschwerpunkt Aids ging es auch um Suchtproblematik, um gesunde Ernährung und Fitness. Es wurde klassen- und fächerübergreifend gearbeitet. Anschließend präsentierten die beteiligten Schüler an zwei Tagen ihre Projekte in der Lobby der Schule. In der Pause war besonders der Hamburger-Stand von hungrigen Schülern belagert. "Gesundes Fast-Food" servierte man dort, zum Beispiel eine Frikadelle samt Tomate, Salat und Vollwertbrötchen. Es hatte sich seit dem Vortag bereits herumgesprochen, dass die "echt lecker" sind. Ein Plakat appellierte an die Eitelkeit mit der Botschaft, dass gesunde Ernährung schlank und schön macht.
Zum Thema "Sucht" hatten die Schüler sich auf legale Drogen Alkohol und Nikotin konzentriert und neben den gesundheitlichen auch die volkswirtschaftlichen Folgen des Konsums ermittelt. Beim Thema Fitness hatten sich die Schüler unter anderem ein "Training für Raucher" ausgedacht. An Hand der ermittelten Werte zeigte sich, wie sich das Rauchen auswirkt. "Unsere Schüler sind ganz schön schlaff", stellte die Leiterin der Projektwoche, Studiendirektorin Elke Klingel, fest. Mit solchen Aktionen soll aber gegengesteuert werden, bevor die jungen Leute in die Ausbildung gehen. (gg)
Rhein-Zeitung - Ausgabe Bad Neuenahr-Ahrweiler vom 03.12.2005, Seite 17.