Blick aktuell (Krupp-Verlag) - Ausgabe Bad Neuenahr-Ahrweiler KW 31/2005

Schulen, Kammern und Ausbildungsbetriebe arbeiten Hand in Hand

Gemeinsam auf dem Weg zur Ausbildung

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Am Ende der Schulzeit stehen viele Schulabgänger vor der schwierigen Frage: Was kommt danach? Berufsbildende Schule, Studium, Praktikum oder eine klassische Ausbildung. Welche Neigungen kommen mit welchem Anforderungsprofil am ehesten überein? Und wie kommt man überhaupt an einen geeigneten Ausbildungsplatz, wenn der Berufswunsch gefunden wurde?

Spätestens dann, wenn junge Menschen an diesem Punkt ihrer Entscheidungsfindung angekommen sind, sind sie auf die Unterstützung Dritter angewiesen. Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt ist dazu noch angespannt wie selten zuvor. Prognosen deuten darauf hin, dass sich die Situation bis zum Ende des Schuljahres 2004/2005 insofern noch einmal zuspitzen wird, als dass dann zahlreiche Schülerinnen und Schüler des modifizierten Bildungsgangs Berufsfachschule I nicht die erforderlichen Qualifikationen aufweisen werden, um von der zurzeit besuchten Berufsfachschule I in die sogenannte Berufsfachschule II wechseln zu können. Dies hat zur Folge, dass auch diese Jugendlichen in großer Zahl auf den Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsmarkt drängen. Im Rahmen einer Einstiegs-Qualifizierung können sich diese Schüler, die keinen Ausbildungsplatz finden konnten, für die Dauer von mindestens sechs bis maximal 12 Monaten während einer Art Trainee bei einem Arbeitgeber höher-qualifizieren und somit ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessern.

Wie helfen Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und die Ausbildungsbetriebe bei der Suche nach dem Ausbildungsplatz? Blick aktuell hat nachgefragt.

Gemeinsame Aktion der Berufsbildenden Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler, der Agentur für Arbeit in Mayen, der IHK-Geschäftsstelle Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Kreishandwerkerschaft Ahrweiler - "Azubis öffnen Türen"

Die Berufsbildende Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler ist nach eigenen Angaben die einzige Schule im Bundesgebiet, die eine solche Initiative ins Leben gerufen hat. Das Lehrstellen-Angebot sei von 2004 bis 2005 um rund 9% gesunken, von vier Schülern bliebe zur Zeit einer ohne Ausbildungsplatz, hieß es auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der BBS-Lehrstellen-Initiative "AZUBIS öffnen Türen" Mitte Juli dieses Jahres. Im Rahmen des Berufsschulunterrichts werden die Auszubildenden an der Berufsbildenden Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler über die Aktion "AZUBIS öffnen Türen" informiert und angehalten, bei der Gewinnung ihrer Nachfolger aktiv mitzuwirken.

Mit einem vorbereiteten Faltblatt sollen die Auszubildenden zukünftig bei ihren Lehrmeistern für die Einrichtung neuer Ausbildungsplätze werben. Ausbildungsbetriebe, die sich von der Idee überzeugen lassen konnten, können das dem Faltblatt angefügte Antwortfax einfach ausfüllen und damit ihre neu angebotene Ausbildungsstelle bei der Berufsbildenden Schule anmelden. Die angebotene Ausbildungsstelle wird dann den Schülerinnen und Schülern auf der BBS-Lehrstellenbörse im Internet unter www.bbsnews.de vorgestellt.

Hat sich der Ausbildungsbetrieb für die Einrichtung eines zusätzlichen Ausbildungsplatzes entscheiden können, kann das dem Faltblatt anhängende Antwortfax einfach ausgefüllt an die BBS-Lehrstellenbörse weitergeleitet oder elektronisch im Internet übermittelt werden. Für die Ausbildungsbetriebe sehen die Initiatoren auch Vorteile bei der Teilnahme an der Initiative. Neben der Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs, produktiver Arbeit des Auszubildenden, weniger Fluktuation und Fehlbesetzungen und vieler weiterer Gründe, sei ein nicht zu verachtender Effekt der mögliche Imagegewinn als Ausbildungsbetrieb, den die Beteiligung hervorrufen könnte. "Neben der Möglichkeit, dass wir damit die eine oder andere zusätzliche Lehrstelle gewinnen können, glauben wir, dass diese Aktion auch zur Stärkung der sozialen Kompetenz der Auszubildenden dient und die soziale Motivation der Ausbilder fördern kann.", sind Guido Höfer und Michael Sauer-Beus auch von ihrer Initiative überzeugt, wenn sie nicht den erhofften Erfolg bringen sollte.

Im Internet können die Formulare der BBS-Lehrstellenbörse unter www.newsletter.bbs-ahrweiler.de/azubi/azub_bbs01.htm abgerufen werden.

Industrie- und Handelskammer Koblenz Für das Ausbildungsjahr 2005 sind noch zahlreiche Lehrstellen im Kreis Ahrweiler unbesetzt. Auch in den Nachbarkreisen gibt es noch viele freie Stellen. Die Börsen enthalten aber nur die Stellen, die die Betriebe der IHK auch freiwillig melden. Über weitere Angebote verfügt die regionale Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit.

Trotz der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt werden im Kreis Ahrweiler noch Lehrstellen in verschiedenen Ausbildungsberufen angeboten. Darunter findet man Berufsbilder wie den Bürokaufmann, Kaufmann für Bürokommunikation, Restaurantfachmann, Mediengestalter, Gärtner und einige mehr. Nähere Informationen gibt es in der Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz im Internet unter www.ihk-koblenz.de. Dort sind auch die der IHK gemeldeten freien Stellen zu finden. Ziel dieser Lehrstellenbörse ist es, dass jeder ausbildungsfähige und ausbildungswillige Jugendliche einen Ausbildungsplatz erhält. Die Unternehmen können kostenlos ihre freien Lehrstellen präsentieren, Ausbildungsplatzsuchende können sich über das Angebot der Betriebe informieren.

Zur Zeit bilden über 300 Betriebe der gewerblichen Wirtschaft des Kreises Ahrweiler 1.016 Jugendliche in 66 Ausbildungsberufen aus. Um den Jugendlichen einen Einblick in die Ausbildungsberufe der Kreiswirtschaft zu geben, präsentiert die IHK-Bezirksstelle Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Überblick über die bestehenden Ausbildungsverhältnisse. Über die Hälfte der Ausbildungsverhältnisse entfallen auf die Ausbildungsberufe Hotelfachmann/-frau, Bürokaufmann/-frau, Koch/Köchin, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Bankkaufmann/-frau und Industriekaufmann/-frau.

Fit in die Lehre Das IHK-Angebot "Fit in die Lehre" soll helfen, vorhandene Mängel in Mathematik und Deutsch auszugleichen und den Einstieg in die Berufsausbildung zu erleichtern.

Um die Qualifikation der Bewerber zu verbessern, bietet die IHK Koblenz ihr Programm "Fit in die Lehre" an. Infos hierzu sind unter www.fitindielehre.de zu finden. Um die Ausbildungsfähigkeit zu testen, können sich Jugendliche sowie Ausbildungsbetriebe zu einer Prüfung anmelden. Informationen findet man im Internet unter www.testfuerdielehre.de. Auskunft erteilt auch die IHK-Bezirksstelle unter Tel: (0 26 41) 99 07-4 11 oder e-mail: aw@koblenz.ihk.de.

Lehrstellenakquisiteure In einer weiteren Maßnahme sind zwei Lehrstellenakquisiteure bei der IHK Koblenz auf Basis der Rahmenvereinbarung zwischen dem Landesarbeitsamt Rheinland-Pfalz-Saarland, dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium sowie den Arbeitsgemeinschaften der Handwerkskammern und der Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz im Einsatz.

Ziel ihrer Tätigkeit ist die bedarfsgerechte Erschließung zusätzlicher betrieblicher Ausbildungskapazitäten. Daher stellen Existenzgründer und Betriebe, die bisher noch nicht ausbilden, die wesentlichen Zielgruppen ihres Einsatzes dar.

Chancengarantie 2005 Was die Zahl der Bewerber betrifft, erwartet die Bezirksstelle der IHK Koblenz in Bad Neuenahr-Ahrweiler ähnlich hohe Zahlen wie im vergangenen Jahr. Aus diesem Grund werden gemeinsam mit der Agentur für Arbeit im August 2005 Aktionstage zur Vermittlung von Lehrstellen veranstaltet. Am 20. Oktober 2005 findet dann der zentrale Aktionstag "Chancengarantie 2005" zusammen mit der Agentur für Arbeit und der Handwerkskammer statt.

Handwerkskammer Koblenz 12.000 Lehrlinge werden derzeit in 4.000 Ausbildungsbetrieben im Bezirk der Handwerkskammer Koblenz in über 100 Ausbildungsberufen ausgebildet. Freie Lehrstellen im nördlichen Rheinland-Pfalz findet man in der aktuellen Lehrstellenbörse der HwK. 193 Lehrstellen im nördlichen Rheinland-Pfalz sind der Handwerkskammer Koblenz (HwK) bis Juli 2005 gemeldet. Erfahrungsgemäß wird diese Zahl weiter steigen, berichtet die HwK. In einer groß angelegten Ausbildungskampagne engagiert sich das Handwerk gemeinsam mit den Arbeitsämtern, Kommunen und Kirchen für die Ausbildung. Die Erfahrungen vom vergangenen Jahr haben gezeigt, dass das persönliche Ansprechen und zusammenführen von Lehrstellen-Suchenden und Ausbilungsbetrieben ein erfolgreicher Weg ist.

Die Handwerkskammer Koblenz hält Verbindung zu den Ausbildungsbetrieben und ist über aktuelle Lehrstellenangebote in allen Ausbildungsberufen informiert. Jugendliche finden auf der HwK-Lehrstellenbörse eine Lehrstelle, Betriebe können auf dieser Seite eine freie Lehrstelle anbieten. Die Informationen zu den offenen Lehrstellen laufen in der Pädagogischen Anlaufstelle der HwK zusammen. Die HwK-Lehrstellenbörse wird ständig aktualisiert und kann im Internet unter www.hwk-koblenz.de, Stichwort Bildung, abgerufen werden.

Das Angebot der HwK Koblenz in Sachen Ausbildung reicht von Berufsinformationen und -beratungen über die Vermittlung von Betriebspraktika bis zum Einstieg in handwerkliche Ausbildungsberufe und dem Angebot von Förderunterricht für Schulabgänger. Die Ausbildungsberater und Lehrstellenakquisiteure der HwK helfen jungen Leuten bei Fragen rund um die Ausbildung. Informationen zur Lehrstellenbörse und rund um die Ausbildung sind unter Tel.: (02 61) 3 98-3 23, Fax: -9 89, e-mail: aubira@hwk-koblenz.de oder im Internet unter

www.hwk-koblenz.de erhältlich.

Lehrstellenbörse des Kreises Ahrweiler und des Krupp Verlages Auch der Kreis Ahrweiler schließt sich gemeinsam mit dem Krupp Verlag den Lehrstellen-Initiativen an und bietet Lehrstellenbewerbern die Möglichkeit, sich mit ihrem Berufswunsch im Rahmen einer Sonderbeilage der Heimatzeitung zu präsentieren. Im "Blick aktuell" wurde den jungen Leuten das Angebot unterbreitet, ihren Lehrstellenwunsch kostenlos zu veröffentlichen. Firmenchefs und Personalleiter können diesen Service aktuell nutzen, um sich einen Überblick über die Ausbildungsziele der jungen Leute zu verschaffen.

Initiativen der Schulen Hauptschule

Bad Neuenahr-Ahrweiler -

Erich Kästner-Schule

In insgesamt vier Klassen der Jahrgangsstufe 9 haben von 90 Schülern 16 einen Ausbildungsplatz gefunden. Alle anderen werden in die Berufsbildende Schule wechseln. Aus der Klassenstufe 10 mit dem Qualifizierten Sekundarabschluss I haben acht Schülerinnen beziehungsweise Schüler einen Ausbildungsplatz und zwei einen Praktikumsplatz gefunden. Die übrigen Schülerinnen und Schüler werden den Bildungsgang der Höheren Berufsfachschule durchlaufen.

Im Fach Arbeitslehre, das in der Hauptschule Bad Neuenahr-Ahrweiler ab der 7. Klassenstufe als Pflichtfach mit einem Wochenstundenansatz von drei Stunden als eines der profilgebenden Fächer unterrichtet wird, werden die Schülerinnen und Schüler intensiv auf das Arbeitsleben vorbereitet.

Eingehende Kenntnisse von Berufsbildern werden dort vermittelt. Im 8. Schuljahr absolvieren die Schüler ein dreiwöchiges Betriebspraktikum; die Schüler des freiwilligen 10. Schuljahres absolvieren nochmals ein einwöchiges Betriebspraktikum. Die für die Schule zuständige Berufsberaterin führt regelmäßig Gruppen- und Einzelberatung an der Schule durch. Jedes Jahr findet in Zusammenarbeit mit der AOK ein Bewerbungstraining statt. In Zusammenarbeit der Fächer Arbeitslehre und Deutsch wird all das eingeübt, was Grundlagen für Bewerbungsschreiben sind.

Mehrfach hat die Hauptschule am Aktionstag B.O.S.S. (Berufliche Orientierung Schüler als Selbstständige) teilgenommen. Dabei setzen sich Jugendliche mit Fragen der Selbstständigkeit und des Unternehmertums auseinander.

Die Schülerfirma der Schule, die unter anderem den Schulkiosk und die Abteilung "Büro und Co." betreibt, bereitet Schüler auf betriebliche Abläufe vor, indem Planung, Einkauf, Verkauf, Abrechnung und weiteres lebenspraktisch eingeübt werden. Zahlreiche Schüler haben am Projekt der IHK "Fit in die Lehre" teilgenommen.

Realschule Calvarienberg

In diesem Jahr verließen 53 Schülerinnen der Klassenstufe 10 die Schule. Davon haben per Stand Juni 2005 50 Schülerinnen einen Ausbildungsplatz gefunden, besuchen die Oberstufe eines Gymnasiums, eine Höhere Berufsfachschule oder wählen eine andere Form der weiteren Ausbildung. Die verbleibenden drei Schülerinnen befanden sich zum Termin des Schulabschlusses noch im Bewerbungsverfahren.

Um die Schülerinnen auf eine Berufsorientierung vorzubereiten, wurden verschiedene Maßnahmen durchgeführt: Gemeinsam besuchten die Schülerinnen das Berufsinformationszentrum des Arbeitsamtes. Im Rahmen einer Elterninformation mit dem Berufsberater wurden die Eltern der Schülerinnen über wichtige Schritte informiert.

Während des Schulunterrichtes wurden den Schülerinnen die wesentlichen Inhalte sowie die erforderliche Form eines Bewerbungsschreibens vermittelt. Neben einer qualifizierten schulischen Ausbildung legt die Realschule Calvarienberg Wert auf die Durchführung von Betriebspraktika sowie ein intensives Bewerbungstraining.

Im Rahmen von Klassen- und Einzelgesprächen wurden die Wünsche, Vorstellungen und Ziele der Schülerinnen gemeinsam mit dem Berufsberater und Lehrkräften herausgearbeitet und konkretisiert.

Staatliche Realschule

In diesem Jahr verlassen 81 Schülerinnen und Schüler die staatliche Realschule.

Davon werden rund 33 Schülerinnen oder Schüler die weiterführenden Klassen an der Höheren Berufsfachschule, der Berufsbildenden Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler sowie der Gymnasien besuchen. 38 Schülerinnen und Schüler haben einen Ausbildungsplatz gefunden. Zwei Schüler absolvieren ein freiwilliges soziales Jahr, ein Schüler wird einen einjährigen Auslandsaufenthalt in den USA antreten und im Anschluss auf ein Gymnasium wechseln. Vier Schulabgänger waren bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Weiterbildungsplatz nicht erfolgreich. Die Zahlen konnten anhand eines vom Schulelternbeirat entwickelten Formulars ermittelt werden. Mit diesem Formular wurden die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 konkret nach ihren Plänen und Zielen nach dem Schulabschluss befragt.

Im Rahmen von Betriebspraktika sowie der Beratung durch die Agentur für Arbeit wurden die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 über verschiedene Berufsbilder informiert. Mit der Aktion "Schule trifft Wirtschaft" bot man den Schülerinnen und Schülern im Rahmen eines "Info-Cafés" in der Schule die Möglichkeit, mit Ausbildern ins Gespräch zu kommen.

Darüber hinaus engagiert sich der Schulelternbeirat für die Durchführung von Berufsinformationsabenden. Dabei erhalten die Schülerinnen und Schüler der Stufen 9 und 10 die Gelegenheit, sich in der Schule direkt bei den Ausbildern über verschiedene Berufsbilder sowie die Chancen einer Ausbildung zu informieren.

- KANTO -

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